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Ihr seid alle behindert - Behinderung ist Ansichtssache

Ihr seid alle behindert! – Behinderung ist Ansichtssache.

Bist du behindert?? – Ja, ich bin behindert. Ich habe einen Ausweis, der das sagt.

 

Ich bin behindert wenn ich lange stehen muss, deswegen stehe ich meistens nicht still, obwohl ich eine sehr ruhige Person bin.

Ich bin behindert, wenn ich Schlittschuh laufen will, weil ich meinen Fuß nicht in dem Winkel aufstellen kann.

Ich bin behindert, wenn ich einen Bürojob machen will, weil ich mich dabei grenzenlos unterfordert fühle und das Gefühl, dabei gleich durchzudrehen, jede Produktivität lahmlegt.

Ich bin behindert, wenn mich jemand dumm anmacht und mir in dem Moment der Schock so tief sitzt, dass ich nicht kontern kann.

Ich bin behindert, wenn der Ton so leise ist, dass zwar alle anderen ihn hören, ich aber nicht.

 

Ich bin nicht behindert, wenn ich auf meinem Board stehe und durch die Straßen fahre.

Ich bin nicht behindert, wenn ich mich mit komplexen Problemen beschäftige.

Ich bin nicht behindert, wenn ich andere verstehen will.

Ich bin nicht behindert, wenn ich koche.

Ich bin nicht behindert, wenn ich lese.

Ich bin nicht behindert, wenn ich ein ganz normales Auto fahre.

Ich bin nicht behindert, wenn ich auf Konzerten, in Clubs oder einfach zuhause tanze.

 

Behindert

Behinderung ist Ansichtssache.

Ist ein Brillenträger behindert, wenn er etwas nicht lesen kann? Ist ein Mensch mit Depressionen behindert, wenn er so down ist, dass er nicht richtig am Leben teilhaben kann oder will? Ist ein Mensch behindert, der im Krankenhaus liegt? Ist ein Arschloch behindert, weil er grundlos hasst? Oder nicht intelligent genug ist, um zu sehen, dass er sich und anderen Schaden zufügt?

 

Ich hätte mal beinahe einem Mädchen den Finger gebrochen. Sie war total betrunken und zeigte mit ihrem Finger mitten in mein Gesicht, vielleicht 2 cm entfernt. Sie sagte sehr dumme Dinge über mich, obwohl wir uns noch nie gesehen haben. Ich hatte ihren Finger in der Hand und hätte ihn nur nach oben biegen müssen, wozu ich wirklich Lust hatte in diesem Moment.

Aber ich habe es nicht getan. Ich glaube sie war sehr viel behinderter als ich. Nicht, dass man ihr das angesehen hätte, aber sie hatte offenbar ein riesiges soziales Defizit. In ihrer Welt ist es scheinbar ok, fremden Menschen viel zu nahe zu kommen und sie zu verspotten.

Fürs Protokoll: Das ist es nicht.

Vielleicht wird ihr jemand anderes den Finger brechen. Jemand, der in seiner Ausgeglichenheit behinderter ist, als ich.

 

Barrierefreiheit

 

Ja, ich bin behindert. Aber wenn du möchtest, erkläre ich dir die Stringtheorie oder einen biologischen Vorgang deiner Wahl. Oder fordere mich doch zum Armdrücken heraus! Ich kann auch Jonglieren oder deinen Hund trainieren.

Ich kann natürlich nicht alles, aber wer will von sich behaupten ALLES zu können? Aber ich glaube, es gibt nur sehr wenig, wo ich behinderter bin, als die meisten anderen Menschen.

 

Was mich wirklich mit Abstand am häufigsten behindert, sind die vorgefertigten Meinungen, die andere Menschen über mich haben.

 

Zum Beispiel der Orthopäde, der mir sagte, dass er mir nicht bescheinigen wird, dass ich den Führerschein machen kann, ohne mich auch nur untersucht zu haben. Weil er nicht wollte, dass „ich eine Gefahr im Straßenverkehr bin“.

Sehr geehrter Herr Arsch, auch wenn mich dein Verhalten Monate zurück geworfen hat, (und die Fahrschule so natürlich auch teurer wurde!), fahre ich heute seit 9 Jahren komplett unfallfrei quer durch Deutschland und die Welt. Mein zweiter Wagen ist grade 100.000 (km) geworden, nur unter meinem Hintern. Ich brauche mein Auto und meinen Führerschein. Ich brauche keine Umbauten, ich fahre einen stinknormalen Schaltwagen. Ich bin keine Gefahr, nicht mehr als jeder andere Mensch auch. Ohne den Führerschein hätte ich zum Beispiel nicht jahrelang (teils ehrenamtlich) im Tierheim arbeiten können. Nur so zur Info. 😉

 

Behinderung

Warum schreibe ich das überhaupt?

Ich hatte mal eine Ratte, die war viel kleiner und schlanker als ihre Schwestern. Sie sah den anderen gegenüber total unterlegen aus. Sie wog ihr Leben lang nie mehr als 250g, obwohl sie die gleichen Voraussetzungen hatte, wie ihre Schwestern, die teilweise doppelt so schwer waren.

Dafür war sie die Einzige, die kopfüber am oberen Gitter entlang rennen konnte. Die anderen haben es auch immer wieder versucht und vielleicht 2 Schritte geschafft, aber sie konnte das den ganzen Tag und wahnsinnig schnell machen. Das war ihr Hobby. Sie hieß River.

Ratte River
Das ist River – Foto von Heike Schmidt-Röger

 

 

Vielleicht sollten wir einfach aufhören, Menschen in Schubladen zu stecken. Vielleicht ist das Letzte, was jemand will, der einen Behindertenausweis besitzt, dass du annimmst, dass er dies und das nicht kann.

Eine Behinderung ist eine bestimmte Einschränkung. Aber ist nicht jeder Mensch auf irgendeinem Gebiet in irgendeiner Form eingeschränkt? Und selbst wenn es offensichtlich erscheint, dass jemand etwas nicht kann, könntest du dich damit täuschen. Du weißt es nicht.

 

Hier ist ein Video von Dergin Tokmak. Vielleicht kann er nicht einfach loslaufen, aber sehr wohl tanzen!

 

Wann bist du behindert? Wann wirst du unterschätzt?

Lass ein Kommentar da! 🙂

 

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14 comments

  1. Susanna says:

    WORD, WORD und noch mal WORD!
    Ein sehr guter Beitrag!
    Ich bin selbiger Meinung, dass Menschen nicht andauernd in Schubladen gesteckt werden sollten. Zu mal ich glaube das jeder Mensch im Laufe seines Lebens, seine Päckchen zu tragen hat. Ob auf physischer oder psychischer Weise. Niemand sollte dafür belächelt werden.
    Mach weiter dein Ding und bleib wie du bist! 🙂

    Liebe Grüße,
    Susanna
    _______________________________________
    http://www.susannavonundzustil.de

    • Ronja
      Ronja says:

      Hey Susanna,

      vielen Dank für deine Worte! <3
      Du hast Recht! Und ich freue mich total über deinen Kommentar!

      Bleib du auch wie du bist!
      Liebe Grüße,
      Ronja

  2. Laura says:

    Toller Artikel!
    Wir haben wohl die gleiche Behinderung, wenn mich jemand blöd anmacht, bin ich auch erst mal nur perplex und komm auf keine vernünftige Antwort 😊
    Ich freu mich auf den nächsten Artikel von dir!

  3. Lu says:

    Liebe Ronja….
    Du bist echt tapfer, kenn Dich nicht, bin aber trotzdem stolz auf Dich 😉
    Meine alte Lieblingstante sagte immer:
    Jeder soll vor seiner eigenen Haustür kehren!
    Wünsch Dir von Herzen alles Gute!
    Lucia

  4. Michael says:

    Hey Ronja,

    total toller Artikel! Wie immer wieder sehr direkt und wahr; genau mein Ding. 😀
    Ich denke auch, dass manche sich oft selber behindern mit ihren Ansichten. Niemand ist genau gleich und das ist auch gut so.

    Schöne Grüße,
    Michael

  5. Christiane says:

    Hallo liebe Ronja, ich bin die Mutter eines Mädchens mit Behinderung. Und bin beeindruckt von Deinen Gedanken (auch in Deinen anderen Artikeln). Die Krankheit meiner Tochter ist nur durch eine OP-Narbe (am Bauch!) sichbar. Trotzdem fing das „Was hast Du denn da…! Das ist ja hässlich!“ schon in der Kita an.
    Nun lese ich Deinen Blog, für mich selbst, und würde ihn am liebsten meinem Mädchen (12) zeigen 😀.

    Ihr lieben, tollen besonderen Kinder!!! Mir fehlen ein bißchen die Worte. Ich wünsche mir, dass Ihr glücklich seid! Du auch, liebe Ronja! Seid lieb zu Euch selbst, die unzähligen, unendlichen Arztbesuche tun schon weh genug.

    Alles Liebe
    Christiane

    • Ronja
      Ronja says:

      Hey Christiane,

      deine Worte sind so lieb, wie sie nur von einer Mutter kommen können. <3 Vielen Dank dafür, macht mich wirklich sehr glücklich grade.

      Sag deiner Tochter, dass OP-Narben etwas sind, worauf man stolz sein kann, denn damit hat sie schon mehr geschafft, als die meisten in ihrem Alter und sie war mit Sicherheit sehr tapfer! Narben erzählen eine Geschichte. Sie sind etwas, das man geschafft hat. Sie sind wie Trophäen. 🙂

      Ich wünsche mir auch, dass du und deine Tochter glücklich seid, von ganzem Herzen.

      Liebe Grüße,
      Ronja

      PS: Meistens ist das alles für die Eltern noch viel schlimmer als für die Kinder! Damit bist du definitiv auch ein Held!

  6. Anne says:

    Hey Ronja,

    ich bin behindert, wenn es um mich geht. Für andere bewege ich die Welt und kann motivieren, erleichtern, formulieren, usw.

    Bei Dir lese ich schon eine Weile mit, habe über die Habit Hacks zu Dir gefunden. Die Reihe ist herrlich. Deine Schreibe ist klasse. Motivierend ohne Ende, erheiternd.

    Ich entdecke immer wieder gerne neue Sachen von Dir. Aufstehen ist zum Beispiel so ein Thema. Ich bin bekennendes Murmeltier. Hilft nur nichts. Das Leben findet trotzdem statt.

    Nach 7 Wochen Arbeitsabstinenz und 80% verschlafen dieser Zeit geht nun morgen wieder der Wecker.

    Dank Deiner Abend-/Morgenhacks bin ich bestens vorbereitet. Jetzt muss ich nur noch zeitig einschlafen.

    Ich bin auch der Typ, der 3-6h wach liegt, wenn ich versuche, früh zu Bett zu gehen. Hab es diese Woche versucht (ohne die Hacks). Mit dem Ergebnis: einschlafen war erst nach Sonnenaufgang möglich. Und hab dann den Tag verschlafen. Konnte abends wieder nicht einschlafen.

    Aber heute wird es anders 🙂

    Hab zur Unterstüzung imSchlafzimmer noch klar Schiff gemacht, damit keine Unruhe drin ist.

    Liebe Grüße
    Anne

    • Ronja
      Ronja says:

      Hey Anne,

      vielen Dank für deine lieben Worte! <3

      Du scheinst ein wirklich schwerer Fall von Murmeltier zu sein, aber ich kann das sehr gut verstehen!
      Vielleicht brauchst du zum Ausgleich tatsächlich etwas mehr, als andere.

      Eine Verlagerung deiner Arbeitszeiten wäre wohl die effektivste Methode, aber das ist ja nicht immer einfach so möglich. Machst du Sport? Das könnte vielleicht einen entsprechenden Ausgleich bieten und dich am Tag fit und am Abend müde(r) machen. Was bei mir ganz gut funktioniert ist: Ins Bett gehen, wenn alles geregelt ist und dann entweder lesen bis die Augen zufallen, ein Hörbuch anhören oder luzides Träumen (/Meditation) versuchen.

      Liebe Grüße und ganz viel Erfolg dabei!
      Ronja

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